In Gedenken der ausgebeuteten Lebewesen der Zirkusse

Am 30.03. versammelten wir uns mit rund 10 Tierrechtler_innen in der Innenstadt Zevens, um auf die Missstände der Zirkusindustrie aufmerksam zu machen. Der Zirkus „Charles Knie“ gastierte vom 30. März bis zum 01. April in der Stadt und rühmt sich mit „internationalen Star-Artisten, lustigen Entertainern und Tieren aus aller Welt in rund 50 Gastspielorten“.
Zu lachen gibt es hier lange nichts mehr bei rund 100 Tieren, welche (wenn überhaupt) nur während der Zirkusnummer in der Manege aus ihren viel zu kleinen und engen Käfigen sich 10 Minuten lang „bewegen“ dürfen.

„Wetten, dass … wir sie begeistern?“, so der Werbeslogan auf dem farbenprächtigen Plakat in der Zevener Innenstadt. Die einzige Begeisterung ist augenscheinlich die Perversität der Art und Weise, wie der Zirkus bereits auf dem Werbeaushang Tiere zeigt, die dazu gezwungen werden, nicht-artgemäße „Kunststücke“ für die Profitgier des Zirkuss zu vollführen. Ein Elefant würde nie freiwillig außerhalb des Paarungsaktes einen anderen Elefanten von hinten anspringen und bis zu einer Minute in dieser Position verharren! Über diese Tatsache schaffen es nicht einmal die leicht bekleidete Dame und der lustig dreinblickende Clown hinwegzutäuschen.

Es wurden Flyer und Rosen verteilt, um einerseits zu informieren und andererseits gegenüber der Bevölkerung Beileid den ausgebeuteten Tieren zu bekunden. Erstaunlich positiv war hier die Resonanz der Einwohner_innen, welche mit einem Lächeln, Fragen und Lob die Flyer gegen Tiere im Zirkus gerne entgegen nahmen. Umso peinlicher musste es da doch für den Zirkus gewesen sein, in einer Stadt zu gastieren, die sich so offen gegen Tiere im Zirkus ausspricht!
Da half auch der wohl einzige Negativkommentar des pensionierten Lehrers nichts, der nun die Kinder des Zirkus unterrichtet, hier nochmal contra zu geben: „Ja, die langen Fahrten sind schon nicht gut für die Tiere, aber gequält werden die nicht.“
Auf die Bitte, doch den Rest seines Lebens auf 9 qm zu leben und am Tag 3 mal für cirka 10 Minuten diese verlassen zu dürfen, wollte er jedoch leider nicht eingehen. Komisch … nicht?!

Als dann noch ein Hundehalter seinen Hund mit Würgekette an dem wohl höchsten Punkt eines Baumgitters anleinte, um gut 30 Minuten in einem Geschäft zu verbringen, während der Hund hochsprang und bellte, wurde wieder einmal klar, dass die deutsche Justiz, selbst bei gemeldetem Missstand, einfach gar nichts tut. Denn die Polizeibeamtin, die soeben die Personalien der Anmelderin aufnahm, sah sich nicht einmal in der Lage geltendes (Tier-)Recht durchzusetzen. Peinlich!

Alles in allem war der Tag trotz leichtem Nieseln und orkanartigen Windböen sehr erfolgreich. Und so konnte der ein oder andere Mensch zum Nachdenken bewegt werden. Steuergelder kann mensch weitaus besser und sinnvoller nutzen als ein den Ausbeuter_innen entflohenes Känguru (lebt alleine!) mit polizeilicher Hilfe wieder einzufangen.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass die Einwohner_innen Zevens tausend mal mehr Ahnung zu haben scheinen, was Tierhaltung und Tierschutz bedeutet als der Zirkus Charles Knie, auf dessen Website zu diesen beiden Punkten nur steht:

„Diese Seite wird derzeit von uns überarbeitet. Wir bitten um Ihr Verständnis.“


1 Antwort auf „In Gedenken der ausgebeuteten Lebewesen der Zirkusse“


  1. 1 Jasper 09. Mai 2012 um 18:28 Uhr

    Toller Artikel.Ich habe einige tolle Denkanstoesse bekommen. Freue mich schon auf neue Posts.

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