Aktionswochenende gegen Tierversuche in Bremen

Am Wochenende des 28. Aprils 2012, dem internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche, fanden in Bremen im Rahmen eines Aktionswochenendes gegen Tierversuche verschiedene Aktionen statt.

Kundgebung gegen Air France/KLM
Am Freitag den 27. April 2012 trafen sich rund 20 Aktivist_innen der Vegan Connection und der Tierbefreier_innen aus Hamburg am Terminal von Air France/KLM am Bremer Flughafen. Die dreieinhalbstündige Kundgebung fand unter der strengen Beobachtung eines halben Dutzends Polizisten statt.
Die Aktivist_innen machten mit Transparenten, Megaphon und Flyern auf den Transport von Tieren aufmerksam, deren Schicksal der sichere Tod in Versuchslaboren ist. Im Gegensatz zu anderen Airlines transportiert Air France/KLM noch immer Affen, Hunde, und andere sogenannte Versuchstiere.
Am Beispiel von Primaten wird diese untragbare Situation deutlich: Jedes Jahr werden 12.000 Primaten in europäischen Versuchslaboren „verbraucht“. Die Tiere werden in kleine Transportboxen gesteckt und durch die ganze Welt geschickt. Die Transporte dauern bis zu 60 Stunden, wobei die Tiere kaum versorgt werden und zum Teil elendig verenden. Wenn die Tiere den Transport überleben, werden sie zu einem Leben voll physischem und psychischem Leid verdammt. Diese Transporte geschehen im Stillen und finden für die Öffentlichkeit im Verborgenen statt. Zunehmend mehr Wissenschaftler_innen stellen den ergebnislosen Nutzen dieser Versuche in Frage.
Die Vegan Connection Bremen ruft zu Protesten gegen Air France/KLM auf und solidarisiert sich mit den Aktivist_innen in Frankreich und weltweit. Wir werden weiter Druck auf Air France/KLM aufbauen und das Thema der Tiertransporte für Versuchszwecke in die Mitte der Gesellschaft tragen.

Großdemonstration gegen Tierversuche
Am Samstag, dem internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche, fand in Bremen dann eine Großdemonstration gegen Tierversuche statt.
Aufgerufen hierzu hatten die Ärzte gegen Tierversuche e.V., welche sich überwiegend auf Tierschutz konzentrieren. Daher waren auch im vorhinein zur Demo viele Tierschutzvereine zu erwarten. Um eine allumfassende Kritik an der Ausbeutung von Tieren einzubinden und den Unterschied zwischen Tierschutz und Tierbefreiung klar sichtbar zu machen, riefen die Tierbefreiung Hamburg und Vegan Connection Bremen zu einem Tierbefreiungsblock auf.

Die Demo startete um 12:30 Uhr am Bremer Hauptbahnhof. Es zählten sich rund 2000 Teilnehmer_innen, die auf der Route Herdentor, am Wall entlang, über die Martinistraße, am Brill vorbei, durch die belebte Innenstadt zum Marktplatz laut und aussagekräftig demonstrierten.
Während ein Großteil der Demo ihren Protest alleinig gegen Tierversuche richteten, ließ der Tierbefreiungsblog keine aus Tierausbeutung
Profit schlagenden Geschäfte und Unternehmen aus, um lauthals und wütend auf deren Missetaten aufmerksam zu machen. So fühlte sich die anwesende Polizei berufen, mehrere McDonald’s-Filialen, ein Jagdwaffengeschäft, ein Pelzgeschäft, eine Groß-Filiale der Marke Anson’s (ein Kettenunternehmen, welches vorzüglich „Männer“mode anbietet und zudem Echtpelze anbietet), Galeria Kaufhof und ein Lederwarengeschäft in Schutz zu nehmen. Dies führte zu einem leicht verspäteten Eintreffen am Marktplatz, dem Kundgebungsort.

Auf dem Marktplatz hatte sich seit 10 Uhr in der Früh eine große Anzahl an Ständen unterschiedlichster Art zusammengefunden. Von Tierschutzvereinen über Tierrechtsorganisationen zu Tierbefreiungsinitiativen, welche ihre Inhalte versuchten zu verbreiten, weiter über Stände, die die neuesten tierleidfreien Sensationen des 21. Jahrhunderts präsentierten, bis hin zu unterschiedlichsten Möglichkeiten, sich vegan verkosten zu lassen.
Inmitten des hegen Treibens gab es ein Bühnenprogramm mit Musik und Redebeiträgen.
Auch der Ehrenpräsident des deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, kam zu Wort. Warum ihm allerdings als Vorstandsvorsitzender von Neuland Fleisch ein so hoch konstruierter Posten in einer Organisation zukommt, welche sich doch eigentlich als Ziel gesteckt haben sollte, für ein lebenswertes Dasein von unseren nichtmenschlichen Genoss_innen zu kämpfen, ist natürlich fraglich. (Doch wundern tuts doch nicht, schließlich schlägt der deutsche Tierschutzbund auch keine Gelder von Firmen aus, welche auch Tierversuche fördern (Mars GmbH Products, Whiskas, Sheba, u.a.).)
Da reicht das groß angeprangerte Mitgefühl, Recht- und Unrechtsverständnis doch nicht soweit, dass auf den persönlichen Genuss von Tierprodukten verzichtet wird.
Wolfgang Apel also, welcher als Teil der Fleischindustrie Gewalt an Tieren legitimiert und selbst vorantreibt, behauptet „gegen jede Tierquälerei“ zu kämpfen und will „den Leuten klar machen, das Tiere als Mitgeschöpfe und leidensfähige, uns fast gleichgestellte oder auch mehr als gleichgestellte Individuen“ eine Lebensberechtigung haben.
Die Demonstrationsorganisator_innen wurden diesbezüglich im vorhinein in einem offenen Brief auf diese Fakten hingewiesen. Auch wurde angekündigt, die Rede zwar nicht akiv zu stören, jedoch nicht unkommentiert zu lassen. So postierten sich wärend Apels Rede mehrere Aktivist_innen mit Schildern, welche über seine Aktivitäten in der Tierausbeutungsindustrie informierten.
Dies war wohl Provokation genug um die eigens vom deutschen Tierschutzbund angeheuerten Securitys auf jene Informanden zu hetzen.

Einige Zeit später sammelten sich etwa 100 Tierbefreiungsaktivist_innen um vor der Galeria Kaufhof Filiale ein Die-In zu veranstalten. Während die Demonstrant_innen auf dem Platz vor Kaufhof wie tot da lagen, wurde in einem Redebeitrag die Notwendigkeit von Tierbefreiung deutlich gemacht. Die Aktion erregte viel Aufmerksamkeit.
Auf dem Weg zurück zum Marktplatz entstand eine kleine Spontandemo, die am Marktplatz vorbei zum McDonald’s an der Domsheide zog, um auch dort noch einmal wütend und UNunbemerkbar Passant_innen und Besucher_innen auf die Gräueltaten dieses mörderischen Geschäfts aufmerksam zu machen.
Noch bis 17 Uhr tummelten sich unzählige Menschen auf dem Marktplatz um die zahlreichen Stände.

Am Abend fand schließlich noch ein Vortrag zum Thema „Kritik und Perspektiven der Tierbefreiungsbewegung – Tiere essen? Tiere schützen? Tiere befreien?“ mit anschließender Diskussionsrunde statt.

Alles zum Aktionswochenende findet sich hier.