Verdrängung von Lebewesen, Mord an Hunden, Kapitalismus und Nationalismus sind Kacke


Für die Freiheit
aller Lebewesen und
für ein selbstbestimmtes,
herrschaftsfreies Leben für alle!

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Lasst uns hinterfragen, kritisieren, Privilegien und Profitgier bekämpfen und selbstbestimmt ein gleichberechtigtes Leben im Hier und Jetzt aufbauen!


Warum die Europameisterschaft nicht nur Fußball ist

Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012 wurden und werden in Polen und der Ukraine tausende Straßentiere für ein sauberes Stadtbild brutal ermordet, vergiftet und verbrannt. Tötungen von Straßentieren fanden auch schon vor der EM im großen Stil statt, jedoch sind die Leichenberge größer als sonst. Die Täter_Innen für diese Massaker sind meistens neben der normalen Bevölkerung die ihren kläglichen Lebensunterhalt damit aufbessern auch private „Doghunter“ aus dem Ausland. Die ukrainische Regierung zahlt Kopfgelder für getötete Tiere und ruft zur aktiven Beteiligung an den Morden auf.
Reagiert wird in der Ukraine seitens von Tierschützer_Innen und Tierrechtler_Innen mit Forderungen nach der Kastration und Sterilisation von Hunden um die Populationen möglichst klein zu halten und das Leid der Tiere zu „begrenzen“. Über Spendenaufrufe versuchen sie diese Ziele zu verwirklichen. Derartige Vorgehensweisen stellen jedoch keine artgerechte und natürliche Lösung da.
Alle Jahre wieder werden im Rahmen vergleichbarer Großevents verstärkt vermeintliche Stadtaufwertungs- und Säuberungsmaßnahmen vollzogen, die repressiv nicht nur gegen Straßentiere, sondern gegen Lebewesen im Allgemeinen, also auch Menschen, wirken.
2006 wurden in Deutschland unter dem Deckmantel der Weltmeisterschaft in vielen deutschen Städten, u.a. in Bremen, Massenmorde an Tauben vollzogen. Darüber hinaus wurden verschärfte Innenstadtgesetze in Bezug auf Obdachlosigkeit und Alkoholkonsum verabschiedet, um Innenstadtbereiche „sauber“ zu halten.
Die gesellschaftliche Akzeptanz solcher Veranstaltungen legitimiert jedoch keineswegs solche Vorgehensweisen. Menschen ignorieren, verdrängen und nehmen derartige Zustände leichtfertig hin. All diese Beispiele finden gehäuft zu Großevents statt, sind jedoch fester Bestandteil des Alltags in vom Kapital zerfressenen, globalisierten Gesellschaften.
Die EM ist nicht nur Fußball wie u.a. aus den bereits genannten Gründen hervorgeht. Es geht nicht um einzelne Sportler_Innen, die sich untereinander messen, sondern um die Konkurrenz zwischen den Nationen der EU. Diese Duelle werden genutzt um die Identifikation der Bürger_Innen mit den Staaten zu steigern und damit ihre Bereitschaft sich für die Nation, also das jeweilige Kapital, einzubringen. Dadurch, dass Menschen z.B. die Deutschlandflagge hochhalten, legitimieren sie die Handlungen die diese Staaten vollziehen und segnen diese Taten stillschweigend ab: Mord, Folter, Abschiebung, Ausbeutung im In- wie Ausland. In dieser Hinsicht steckt nicht mehr hinter der Konstruktion der Nationen.

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Gentrifizierung: Ein allgegenwärtiges Problem

Diese Verdrängungsmechanismen von Lebewesen sind Teil eines generellen dauerhaften Stadtauswertungsprozesses, und passieren nicht nur während Großveranstaltungen wie der EM, sondern überall und auch hier vor Ort.
Mitbestimmung von Betroffenen oder der Bevölkerung im Allgemeinen ist dabei in der kapitalistischen Verwertungslogik nicht vorgesehen. Überall bettet sich fast unbeachtet der schleichende, dauerhafte Prozess der Stadtaufwertung über jegliche Ecken der Stadt ein, die einen hippen Lifestyle suggerieren. Das Straßenbild wird mit neuen, teureren Läden und Gastronomien geschmückt, in der Hoffnung mehr Gewinn einzufahren. Der kapitalistische Konkurrenzdruck vertreibt kleine Läden und zerstört damit Existenzgrundlagen vieler „einfacher Leute“. Durch die Stadtteilaufwertung lassen sich fortschreitende Mieterhöhungen rechtfertigen, ärmere Bevölkerungsschichten vertreiben und zahlende, blinde Konsument_Innen in neuen, renovierten, überteuerten Wohngebäuden ansiedeln. Stadtaufwertung verdrängt dabei alle, die nicht innerhalb des Kapitalvermehrungswahns für die Stadt und das System verwertbar sind.
Repressive, gewaltsame „Stadtreinigungsmaßnahmen“, welche Verdrängung von Obdachlosen, sozial schwächeren Menschen, Migrant_Innen und als störend empfundene Tiere aus dem Stadtbild bedeuten, sind zum Standard geworden, in einer von der ausführenden Gewalt beherrschten, kontrollierten und überwachten Welt.
Alternatives, selbstbestimmtes Leben wird dabei im Keim zu ersticken und zu unterdrücken versucht. Die Verdrängung von Menschen auf Bauwagenplätzen, in Hausprojekten, in selbstverwalteten Räumen u.v.m. die nicht mit den gesellschaftlichen Normen konform gehen, sind das Spiegelbild struktureller Gewalt und Folge des Gewaltmonopols eines neoliberalen Staates.
Beispielweise rassistische Übergriffe seitens der Polizei und des Ordnungsamts lassen sich in diesem Rahmen nur zu leicht direkt vor unseren Augen vollziehen und bleiben so stillschweigend geduldeter Alltag. Durch das ständige Weggucken in einer blinkenden, ablenkenden Welt des Entertainments und Konsums, sprechen wir all dem täglich stumme Legitimation zu.


Welche Handlungsoptionen gibt es?

Es gibt zwar keine adäquaten Lösungen für das Problem der wilden Stadttiere für die Menschen in der Ukraine, oder in Polen, Griechenland, Russland etc., sondern nur den langfristigen Lösungsansatz, der die Auflösung der herrschenden Instanzen beinhaltet, also die Auflösung kapitalistischer Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsentwürfe. Diese begründen sich auf Verdrängung, arm und reich, Gewinner_Innen, Verlierer_Innen, auf Abwertung und Aufwertung von Lebensformen, ob diese nun human oder animalisch sind. Kurzfristig müssen allerdings andere Lösungskonzepte entworfen werden, die die Situation der Tiere wie der Menschen in den Städten temporär verbessern. Dass diese weder den Massenmord an Tieren oder der Sterilisierung dieser beinhalten können, ist klar.
Veritable Konzepte zu entwerfen, liegt in der Verantwortung der ukrainischen Bevölkerung, nicht bei der empörten westlichen weißen Mehrheitsgesellschaft. Ihre Aufgabe kann nicht sein, Lösungskonzepte aufzudrängen, fernab jeglicher Lebensrealität der Ukrainer_Innen, sondern sollte eher der Druck auf die ukrainische Regierung sein.